Der Spiegel brachte letzte Woche ein Interview zur rhetorischen Nutzbarkeit des "OPFERS", das sich mediengerecht, wie es heißt und politisch wirksam inszenieren lässt, bzw ausschlachten und daher eine beliebige Figur geworden sei.
OPFER sind in meinem Zusammenhang ganz andere Menschen, ja eine ganze Religion, ein Volk eine Kultur ein Land - und mit "Opfer" mich oder mir einmal Nahestehende zu vergleichen, wäre eine Zumutung.
Dennoch muss ich sowohl mit den rhetorischen Figuren der Demütigung arbeiten wie dem Zurschaustellen von Minderwertigkeit, dem Lächerlichen in all ihren Formen.
Der Zurschaustellung, der Inszenierung von Opfern,
nachzugehen, kann einerseits eine Suche nach den traumatischen Folgen wie auch ein Nachspüren nach Fargmentresten, Überbleibseln von eienr einmal dagewesen Vernünftigkeit, eienr ratio sein, die einmal dei Rationalität eines Vorhabens war. Eine Absicht, eine Intention,
die zerstört wurde.
Der Spiegel hilft mir da nicht sehr viel, leider. Journalisten des Spiegels, Wächterpreisträger oder einfache Lokalreporter gehören mit zu meinem delikaten Umfeld, das in meiner Sache NICHT recherchieren will. Ganz sicher nicht. Ich habs nämlich mehrfach versucht. Aber einem jungen Journalisten, der die RICHTIGEN WERTE vertritt, nicht, dem möchte man nicht im Wege stehen.
Die Philosophie des Traumatismus - wie ich vielleicht vor 7 oder 8 Jahren gerne geschrieben oder erarbeitet hätte, ist nun selbst ein gespenst der Lächerlichkeit. das ändert nichts daran, dass Traumatismus etwas ist, das mit Verneinung, negation, negativen Sachverhalten aufzuspüren wäre. Ob Traumatismus im Gehirn und in der Psyche meines Adoptivbruders oder meines Pflegebruders etwas "angerichtet" hat, ob es lebenslange Spuren hinterlassen hat, braucht mich nicht zu kümmern.
Der dieses hier liest, weiß oder wird es jetzt wissen, daß mein Adoptivbruder nicht sehr lange lebte, da ihm die Maschinen abgestellt wurden - daher kaum "Material" für eine wissenschaftliche Aufarbeitung bietet.
Ob ich ein "Opfer" bin - nach der SPIEGEL-Einschätzung - oder ein mißbrauchter Mensch, jemand , der anderen zum Mißbrauch angeboten wurde, darüber brauche ich nicht nachzudenken.
Ob ich als Geschwisterkind am Mißbrauch "teilgenommen " habe oder die traumatische Erfahren mein leben lang mit mir herumschleppe - auch darüber ich nicht nachzudenken, denn letztlich - "kann ich ja nicht aus meiner Haut".
Geisteskrank zu sein, bedeute, so erklärte mir mein Vater einmal , dem das plötzliche Wegfallen aller Kritik der nächsten Generation nichts auszumachen schien, geisteskrank zu sein, bedeute einfach, daß es mir egal sein könnte.
Man merkt nicht mehr, was die anderen sind oder was sie von einem halten.
Offenbar meint er noch immer, trotz aller Recherche zu Euthanasie von anderen lächerlichen Menschen, die dem NS-Erbgesundheitsamt zum Opfer fielen - von Psychpharmakaforschung bis hin zu Psychoananlyse der Roubiczek-Peler und Maria Montessori-Auseinandersetzung - außer einem diffusen Gefühl der Trauer über etwas, das was da mal war - geht mich Nichts mehr an. Also könnte es mir gleichgültig sein, ob ich mich ein bisschen genauer erinnere
denn das soll ich ja
sowie sich jemand erinnert, der nichts dagegen tun kann nichts gegen die absolute Hilflosigkeit und das absolute Ausgeliefertsein die den rechtlichen körperlichen und sozialen Status des "Geisteskranken" ausmacht.
das ist doch das absolute Geile daran.
Diesen Moment des Sich Erinnerns kann man mit einem Datum versehen. 1970.
Es taucht seit geraumer Zeit in allen meinen neuen Recherchetexten auf, die jedoch Produkt einer Geisteskranken sind. Ausgeburt einer Wahnsinnigen. Die zu sein ich nicht von mir ausdifferenzieren kann. Ichbinich, nicht. Nicht zu zweifeln.
Sorry, mein Sprachgebrauch, ich weiss, aber ist das offensichtlichste, was ich einsetzen kann.
Noch geiler allerdings - im wahrsten Sinne des Wortes - ist es den Geisteskranken, wollte ersiees sich einer Auto-analyse unterziehen, wollten sie versuchen, selbst den steinigen Weg durch Psychoanalyse Psychotherapie, durch Pharmazieforschung und verhaltener Kognitionswissenschaft zu gehen -
wieder in den Suizid zu schubsen.
