Sonntag, 9. Dezember 2018

E.H.Gombrich, H.Wölfflin und Anne Sinclair

Anne Sinclair beginnt in ihrem Buch "Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine" das zweite Kapitel " Die Nummer 21 unter den Deutschen" mit einer kurzen Beschreibung der infamen Umdeutung der Galerie ihres Großvaters durch die deutschen Besatzer mit einer kurzen Einführung in die NS-Kulturpolitik, die ich mir erlaube, sie hier in der deutschen Übersetzung abzuschreiben:

"Die rue de la Boétie war voller verfemter beziehungsweise entarteter Werke, wie das seit Beginn des Nationalsozialismus hiess.....Die hastig zusammengestellte Ausstellung von 650 in 43 deutschen Museen konfiszierten Werken sollte die moderne Kunst zum Gespött machen. Bewusst wurden Zeichnungen und Fotos von geistig Behinderten zwischen die Bilder gehängt". p28

Mich interessiert dieses Buch nicht nur wegen der Persönlichkeit Anne Sinclairs sondern weil ich mehr über die Rue de la Boétie wissen will, und ums ganz genau zu sagen:
mehr über den Zeitpunkt der Ausstellungen sowie über die genaueren Umstände der Einweihung des Instituts zur Erforschung der Judenfragen in den Räumen der ehemaligen Galerie von Paul Rosenberg.

Das hat ein bisschen mit dem Flug von Rudolf Hess nach England zu tun - und dem was in den Tagen davor in Paris geschehen ist...
zumindest soweit es meinen Protagonisten betrifft.


This is red line...
Dies ist eine rote Linie..
und wie das nun mal so ist, so habe rote magische militärische mythische Linien ein sehr destruktives Sprengpotential.
Und nun stehe ich in dieser Sperrzone ziemlich alleine da.

Mein Rechercheauftrag lautet nämlich, so will es mein "deep throat", dass ich nach schwulen faschistischen Netzwerken suchen soll.
Das Problem ist, dass ich an diese Piste nicht glaube, ich halte sie für einen falschen Auftrag, ich, moi, Nataly, halte sie für eine gezielte Denunziation.
eine Message, die denjenigen, der die Frage übermittelt, denunziert.

(Da die allerwenigsten meine Arbeit kennen, denn etwas wie "meine Arbeit" existiert nicht, müsste ich vielleicht dazu sagen, dass ich in Frankreich bereits über Antisemitismus und Homosexualität gearbeitet habe und das ich das mit jemandem wie Rémy Yadan zusammen getan habe, der das was er ist, stolz und selbstbewusst ist).

Womit ich sagen will, dass die Message nicht für mich ein Problem darstellt, sondern dass der Vorwurf "datiert" ist, er trägt die Spuren der Prüderie und der Angst
dazu da, den unwichtigen kleinen Faschisten noch den Stempel der asozialen Perversion aufzudrücken.
Woran ich das erkenne?
Weil man mir die Recherche anvertraut. Weil ich der Experte für Kindesmissbrauch bin.
Das Bild des Geisteskranken hängt bereits an der Wand.
Re-enacting nennt man das.

Und noch bevor ich das Buch von E.H.Gombrich, "Méditations sur un cheval de bois" in die Hand nehme, über "Psychanalyse et l'histoire de l'art", seinen Aufsatz über André Malraux "André Malraux et la crise de l'expressionisme", so weiss ich doch, dass Informationen nur insofern gut und relevant sind, als sie dazu verhelfen, weitere Türen aufzuschliessen, weitere Informationen zu bekommen.
Ein Sigel zu erbrechen.
Aufzubrechen.

Aber meine Information soll garnicht dazu dienen, weitere Investigations in Gang zu setzen. Sie soll dazu dienen, recht öffentlich zu sagen: HIER gibt es nichts zu sehen.
No further information available.


Amazon hat mich gebeten, das Buch "Leben im Land der Täter" zu rezensieren...

Streng genommen hätten sie mich genauso gut bitten können, das Buch "Paulhan le souterrain"  Transkriptionen eines Colloquiums in Cerisy oder das Buch von Anne Sinclair "Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine" (der französische Titel lautet etwas sinnvoller für meine Zwecke: 21 Rue la Boétie) zu besprechen...oder aber die Mitschrift eines Heidegger-Seminares "Schillers Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen", welches im Jahr 1936/37 gehalten wurde...

....Mit dieser Aufzählung habe ich einen Trick angewandt, die Aufsplitterung einer einzigen Frage in ein Bündel an Fragen, die Zersplitterung des Speeres in eine kleine Vielzahl.
Wobei für Sie nicht erkennen ist, unter welchem sich der dramatische Impetus verbirgt, mit dem ich meine Argumentation führen will.

Mich beschäftigt dennoch etwas anderes und es ist ein bisschen schwierig, im Moment, die Zahnräder ins Papier greifen zu lassen,
es ist, wie in jenem Kinderspiel "Schere Stein Papier", manchmal nötig, Pause zu machen.

Dabei beschäftigen mich Bücher bereits, weil Vorbesitzer hineingemalt haben.
Dinge angestrichen, untermalt, drübergekritzelt.
Manchmal weiss ich, wers war, manchmal nicht.

Nicht zuletzt diese Tatsache unterscheidet Bücher, die ich habe und kaufe, oft genug gebraucht, von denen der Bibliothek des Karl WOLFSKEHL. Wolfskehl, der stolz darauf war, nicht nur ein bestimmtes Buch zu einer bestimmten Zeit zu erwerben, sondern auch, sozusagen damit, zu wissen, wer es vorher besessen hatte.

Es ist da ein sehr interessanter Band zu Wolfskehls Bibliothek erschienen, der jemanden wie mich leider grandios unterfordert und mit allergrößtem Hunger zurücklässt:
"Der Sammler Karl Wolfskehl" von Caroline Jessen im Jüdischen Verlag des Suhrkamp Verlages erschienen.

Womit ich nun immerhin sagen kann, warum ich das von Julius Schoeps herausgegebene und eingeleitete Buch "Leben im Land der Täter" gekauft habe: es soll mir bei der Suche nach einer person helfen, die in den fünfziger Jahren "in der Wiedergutmachung" gearbeitet hat oder habe..
so ungefähr lautet der Recherchehinweis, "tip", den ich erhalten habe
und mein Recherchehinweis ist mit noch ganz anderem behaftet.

Schere Stein Papier.

Dabei ist mir wichtig, darüber nachzudenken, dass dass es Meinungen gibt, ob jüdisch oder andere, die den "Anfang nach dem Ende" in Frage stellen, den latenten und aktiv gefestigten Antisemitismus herausstellen.

Das Schweigen

und die leere Hülle des Philosemitismus in der Figur eines seiner Religiosität und seiner beraubten NATHANS.
Dabei interssieren mich die Redaktionen - die hingekritzelten und untermalten Paragraphen meiner Vorleser genauso, wie die Tatsachen und Fakteninterpretationen der Autoren.

Dienstag, 30. Oktober 2018

Die politische Instrumentalisierung einer Vergewaltigung



Meine Großmutter, die viele Jahre in Freiburg gelebt hat, Buchhändlerin war, liebte  die Geschichte von Alphonse Daudet. 
Die Ziege des Mr. Seguin.
Kennen Sie vielleicht, die Ziege, die davon träumt, nachts frei durch den Wald zu streifen und alle Warnungen vor dem Wolf in die Winde schlägt, denn, sagt sie, die Ziege, wenigstens eine Nacht frrei sein, EINMAL FRREI SEIN, und bis zum Morgengrauen mit Wolf kämpfen, als dumm im Stall rumstehen...
und natürlich kommt es auch so, sie hat eine geniale Nacht und kämpft dann den Rest bis zum Morgengrauen

Nun bevor ich auf die Debatten in der BZ zur Sicherheitslage eingehe, und den besonderen politischen Umstand, welcher aus einer Vergewaltigung ein politisches Instrument der ANTI-AFD-Bewegung  macht -

die Instrumentalisierung sexualisierter  Gewalt - ist, 
so lautet das Argument einer jungen klugen Frau  -
ist nicht allein der AFD vorbehalten sondern auch das der 3000 anderen Gegen-demonstranden, die "uns Frauen" zur Besonnenheit und "politischen Differenzierung" anhalten.

Nun sind hier bereits mehrere Argumente versteckt, auch mehrere Sprecher -
ich weiss nur nicht, ob der Leser differenzieren kann,
auseinanderklamüsern, zuhören könnte manfrau auch sagen.


Die politische Tugend der Besonnenheit bringt mich auf die Idee, bevor ich nun sage, wer und welche junge Frau sich instrumentalisert fühlt, dass es  besser wäre, darauf hinweisen, das die Ziege des Mr... eine faschistische Erzählung ist
und dass das Bild des Flintenweibs oder der besessen trunkenen Amazone
wie in Veit Harlas OPFER
sich gerade deswegen  einen solchen Hass zuzieht, weil es auf einen Sehnsuchtsmoment trifft. Theweleits Analysen der faschistischen Männerphantasien stammen aus den siebziger Jahren - und sagen leider nichts über die Erwartungen an die Rolle der Frau in den Köpfen der befreiten Kriegsenkel aus. Noch in den von aufbrechenden Mauerstehern.

Die Tugend der Differenzierung bringt mich dazu, über Erwartungen nachzudenken, die SCHULD DES OPFERS und die weibliche Bereitschaft, die Folgen seiner Freiheit in ihrer Verantwortung zu übernehmen. 

Die junge Frau mit der ich gestern sprach, die nachts viel unterwegs, lebensfroh und die sich für ein lebensfrohes Leben entscheiden hat , dafür auch die Konsequenzen tragen will, fühlte sich in der Zwickmühle. Wählen zu müssen gegen  das Argument einer Gruppenvergewaltigung und der Setzung eines politischen Zeichens gegen die AFD (was sie sonst gerne und energisch tut)
brachte sie in das Dilemma zwischen Slogans entscheiden zu müssen, die für sie nichts miteinander zu tun haben.
Falsche Feindschaften falsche Opposition.

Ihre Hilflosigkeit erzeugte eine resignierte Wut, als sie beim Nachhausefahren nachts, nach Arbeit und Studium, zwischen 23 und 24 Uhr,  feststellte, noch darüber nachdenken zu müssen, ob sie sich mit Pfefferspray und Taschenalarm ausstatten müsse..
Die üblichen Nachhausewegzeremonien junger Frauen, die Schlüssel zählen, Trittmuster studieren, Panik vermeiden...
Wie albern nicht für den männlichen Leser: eine kleine bescheidene Reflexion einer jungen Frau,
wo sie doch den Abend mit höheren symbolischen und politischen Aktionen hätte sinnvoll verbringen können.


Nun konnte ich ihr nicht viel anbieten, denn mein Wort gilt in der grösseren politischen oder sozial oder wissenscahftlichen Ebene nichts,
bedeutungslos
in der Leere einer deutschen Kultur der Assimilation oder leer am Rand des Faschismus
ist meine soziale Person ein Stück Dreck. Doch diese soziale Nullnummer, die Sie mir zugestehen, ändert ja nichts daran, dass ich Verantwortung habe und übernehmen muss, für Frauen, für Gäste, dass ich ein Haus habe, Ideen und manchmal versuche, Gedanken, soziale, politische, geistige Veränderungen anzustossen.


Als Hütehund, der ich bin, kann ich nur Nachtwachen anbieten. Nicht als Mahnwache, sondern als Taxidienst. Telephonbereitschaft. Fahrdienst. Umsonst und ehrenamtlich oder gar
Gesprächsrunden und  KunstAktionen, die im Leeren ablaufen. Nobody would have a look or take a seat...

Das war dem Gesicht der jungen Frauen deutlich anzusehen, mit denen ich die gleichen Gespräche wie vor zwei Jahren führte, mit denen ich die gleichen Gespräche wie vor fünf Jahren führte als sie oder andere Schulmädchen waren ...wer soll sich dafür schon interessieren.
Was können wir schon tun..
Nun ist die bürgerliche civile Rolle, die mir von man /frau in dieser Stadt vorgeschrieben wird
die sozial normierte Form der "Besonnen Frau, die zu differenzieren weiss" und die gleichzeitig nichts zu sagen hat.
Ein, sagen wir, sehr paradoxes Ergebnis. Ein Nichts als Antwort auf eine Gefährdungslage.

Widersprüchlich 
für einen Hütehund wie mich.
Denn meiner Ansicht nach - ist das hier ein Freiburg -Problem. Ein Stadtproblem - und hier teile ich durchaus Ansichten von Boris Palmer - es gibt urbane Konstellationen, die eine besondere Häufung von Vorkommnissen fördern. Und es gibt eine besondere Mentalität, eine besondere Atmosphäre einer Stadt, die Mengen von anderen Mengen unterscheiden.
Wenn Sie mir diese mengentheoretischen Betrachtungen einer Hündin erlauben wollten.
Ich möchte nicht Kriminalitätsraten in Bezug auf Flüchtlinge  kennen und die ihnen zugeschriebene Gefährdung der Sicherheitslage ,
ich möchte die auffallend hohe Kriminalitätsrate hier in Freiburg seit 2010 analysiert wissen.
Der HOLZHACKERstadt wie ich sie nenne. 
In der Toleranz nicht aus Offenheit geschieht sondern aus einem Schuldgefühl, in der Kritik sofort damit beantwortet wird, dass anderswo genauso ist, nur schlimemr, dass Brasilien und Venezuela höhere Mordraten haben, in der die Kulturen der Welt grossspurig MUNDOLOGIA heissen aber bloss eine Messe der Diashow sind - wo die emotionale Armut und Kälte der Kriegsenkel  die Antifaübungen der Wehrwölfe einholt, wo schon den Kinder beigebracht, dass, wer schubst, sich nicht entschuldigt, und wer getreten wird, selber schuld ist.

Dioe Eigenverantwortung der Getretenen, die nichts zu sagen haben
deckt sich, schnittmengengleich,  mit der meiner weinerlichen Selbstdarstellung. 
Und solange ich nichts Substantielles zu sagen habe, sollte ich besser den Mund halten.

Steh nur dumm in der Nacht rum. 






Samstag, 27. Oktober 2018

Zimmer zu vermieten

Manchmal vermiete ich Zimmer - weil ich denke, dass es dem Haus gut tut, wenn die Einsamkeit und die Philosophie nicht zu dick in den Wänden sitzen, aber auch weil die Erbpacht, die  ich für Haus und Grundstück zahlen muss, erheblich ist.
Das sehen die meisten natürlich nicht,
diese moderne Form des Grundbesitzes, die noch bin ins Mittelalter zurückreicht, kennen die wenigsten.
Wer in einem solchen Haus wohnt, meinen sie, muss es dicke haben
Die denken, die reiche Votze muss nur die Beine breit machen, die verdients nich anders.

es sind nur die Syrer die Fremden


die deutschen Künstler
nicht

Satzumbruch.







Wie gesagt, manchmal vermiete ich Zimmer.
Manchmal ist es schwierig, den Respekt untereinander zu wahren.
Chinesischen Studenten zu erklären, dass Studenten aus Afrika weder schmutzig noch dreckig sind, noch faul, schweirig, den moslemischen zu erklären, dass eine Frau der Chef im Haus ist, dass wenn ich schreibe, Ruhe haben will und nicht Ramadan feiern, dass,
wenn ein Schriftsteller schreibt, „männlich“ verstehen alle, dass dann Ruhe im Haus ist, wenn ein Philosoph ein Buch schreibt, dies Rücksichtnahme erfordert -
aber eine Frau, so wie ich, das verstehen die wenigstens, am allerwenigsten 25-jährige Kulturwissenschaftlerinnen
eine Frau in meinem Alter
das ist bestenfalls ne PUTZE. Und dafür ist es verdammt dreckig hier.


Manchmal, selten,  bekomme ich den Anruf einer deutschen Mutter, die sich für ihre ebenso deutsche Tochter sorgt.
In welchem Drecksviertel ich leben würde
und. sie sagt, dass es kein Thema ist, sie wollt nur mal fragen, kein Thema.

Das hindert ihre Tochter nicht, KEINE Miete zu zahlen
wo kommen wir denn dahin, einen Mietvertrag zu unterzeichnen,
es ist einer deutschen Studentin überlassen, zu sagen, wann sie denn gerne einziehen möchte
und wann ihre Probezeit zu Ende ist. Selbst in einem Hotel gäbs mehr Entgegenkommen...
Indische Studenten sind nicht besser, auch sie reservieren ohne zu zahlen, auch sie blockieren Zeit und Raum...für den Fall Besseres zu bekommen.

Kein Problem.

Manchmal auch lassen sie, noch bevor sie überhaupt einen Mietvertrag unterzeichnet haben, noch bevor sie Zimmer und Haus gesehen haben, bereits Möbel anliefern 
sie machen noch nicht einmal einen Liefertermin aus - und dann stehe ich da,
Stein des Anstosses, mit den fremden  Kartons und Möbeln im Garten.



Die Musikhochschule scheint es gewohnt zu sein, dass Ihre Acquisitionen in Menschlichkeit  Ansprüche über denen aller anderen haben. "ES KANN NICHT SEIN DASS EIN PROFESSOR DER MUSIKHOCHSCHULE" heisst es dann
udn wenn ich  hilflos asozial und unsauber in meinem Vorgarten stehe
und den EmpörtDavonziehenden nachsehe, die Augen hebe  in meine Tannen voller Bienen Käfern Fliegenharz Vögel
kommt mir der Galilei Spruch in den Sinn. Warum weiss ich nicht:
Sie bewegt sich doch, e mouve

Vielleicht bleibt mein Zimmer besser leer,
ich auf den Schulden sitzen
Texte von Krümeln gespielt,

aber ich fühle mich ein bisschen überfordert, überrannt 
von der globalen Couchhoppergeneration und ihrer  gleichgültig-gierigen Bürgerlichkeit
und frage mich schon
ob ich nicht viel eher fordern sollte, die Billigflugsteuern radikal zu erhöhen

Tannenzapfenrest

aber vermutlich rennt die Welt an mir vorbei, stürzt lärmend an mir vorbei

and nothing is worth being paid for



















Dromologie....


















Der so genannte Dromologische Stillstand kann als paradoxer Effekt der Selbstblockade verstanden werden. Zwei Beispiele dafür sind:
  • Die Menschen werden immer mobiler. Fast jeder Deutsche hat ein Auto, manche Familien sogar zwei oder drei: man steht im Stau.
  • Jeder hat immer mehr Telekommunikationsanschlüsse – ist aber dadurch nicht unbedingt besser erreichbar.

Samstag, 4. August 2018

E-li-za rausgekürzt

Ich möchte eine Stückempfehlung aussprechen. Habe gestern ein Stück gesehen, das fast genial war.
Ein Theaterstück von so sozialkritischen Ausmassen, die einer akademischen Arbeit würdig egwesen wären, so auf den Punkt gebracht, dass Oben und Unten, Bühne und Publikum zu einem Ganzen verschmolzen. Zerschmolzen – nicht - aufgrund der Hitze sondern wegen der Exaktheit des – propos.

Als "propos" könnte man auf einer – experimentellen - Bühne die mathematische Berechenbarkeit bezeichnen,  die nötig ist, um Wirkung und Absicht  in den berühmten harmonischen Zusammenhang zu bringen und welcher nicht gleichbedeutend ist mit der DEUTSCHEN MESSAGE. Bitte nicht - verwechseln.

Denken Sie sich CABARET in einem Supermarktlädelchen dargebracht, dessen Klientel ehrwürdige Rentner und Rentnerinnen sind, leise schwebend hellrosa irritiert, die unsicher und verärgert die Einkaufswägen an denen ihre „Besitzer für 20 Minuten“ hängen, sanft und sicher, sacht und sacht anstossend durch die Auswahl der Milchtheke bugsieren die Trockenbrotabteilung gleiten lassen, und rollatorgleich an den Tiefen der abgepackten Fleischwaren

und nun darin Mein lieber Herr – I'm through....

Vielleicht sollten Sie sich zwischendrin das Liza Minelli Video angucken. Ich bin furchtbar schlecht im Stückenacherzählen. Ausserdem habe ich ein ganz anderes Stück angeguckt.
Nun, das war es nicht, was ich in Rottweil gesehen habe. Nicht exakt.
das Zimmertheater bietet noch bis zum 12.August

CABARET

und es könnte auch heissen der Aufstieg und Fall des Dritten Reiches, dargeboten in Rottweil
und es ist das leise, das Liza Minellihafte, der Einfachheit halber rausgekürzt worden.
Das Geniale an einer guten Inszenierung besteht ja darin
dass man so komplexe Texte wie Hamlet, Hamletmaschine, Otystra (Gibst auch nur REAL in einer ähnlichen Version, die männlicherweise sonst Orestie heissen würde) oder gar Macbeth

auf die ArbeitsSituation runterkürzt, in der das Spiel, die Möglichkeiten des Spiels sich mit den Möglichkeiten der Spieler und des Publikums: die Aufnahmebereitschaft sich spiegelt und bricht

I am trhough

wie in den Facetten des Schminktisches, die Ausblicke zwischen Garderobe Bühnenscheinwerfer und dem Publikum im ersten Rang
sich so oft spiegelt, dass die Identifikation des Publikums mit dem Dargebotenen

das Grosse O
engl...brauchen wir jetzt nicht, ein Today, ein heute, welche noch ein heute zusammenzieht zu einem weiteren Heute, in dem das Ziel der Sehnsucht ebenso nah wie konsumierbar ist, wie Macbeth dem sinnigen Abgrund der Weiblichkeit (insider-joke)

so sind die Rottweiler Damen mit einer gewissen Leichtigkeit Cabaret-Mitwirkende, die das Leichtfüssige vergessen lässt
das Geschehen fokussiert sich auf die Angst, das Altwerden
und die Depression
einer frivolen Lebenslust, die eben so frivol ist, wie eben gestandene Mitdreissigerinnen in der Stuttgarter Umlandswelt das vorstellen.

Das Dritte Reich, das sich im Nichtkabaresken im Humorlosen erschöpft.
Eindeutiger kann man Cabaret nicht inszenieren. Genial, meint man, deprimierend
ein cabaret ohne Cabaret...aber Depression mit Wucht.

Fast meint man Braunau am Inn zu sehen ohne Berlin, Linzer Vorstadt, ohne Friedrichstadt Palast...
Was ist Theater, wenn nicht Spiegel, Höheres...oder Tiefere Einsicht wie die des Professoren Unrath.


Pause.
Sie erlauben mir ein Kurzes BierweinSektgeplänkel im hellrosadunkelgrünen Sommerabend..
In einem guten deutschen Kabarett
ist niemand auf Liebe eingestellt, alles Kommerz (Augenzwinkernd) ...und ich erinnere noch den Spott des französischen Feuilletons, als Ute Lemper im Olympia, salle mythique auftrat - und leider ach, ein verspäteter verfrühter Hashtag ME Too..
der Spott bezog sich NICHT auf ihren Auftritt, nur darauf dass sie in Deutschland so verrissen worden war...verrissene zerrissene Schönheiten sind anderswo so schön...


Die Selbsterkenntnis, die an diesem Abend in der Erkenntnis gipfelt, dass WIRFRAUEN doch die besseren Bierkutscher sind. Dass WIRFRAUEN doch nur Schenkelklatschend schwarze Unterhosen tragen. Das weiss man seit Eliza Dolittle, die ihren Namen auch deswegen zu Recht trägt, weil Dolittle das mindeste ist, was man von ihr verlangen kann – und das einzige was sie dazu brächte, anmutig zu sein.
Aber Eliza Dolittle war auch schon rausgekürzt.

Anmut
hat was auf deutschen Marktplätzen und an lauen Sommerabenden zu suchen.
Der deutsche Marktplatz gilt als Urmodell des Staates.Die Frage von Bezahlung und kaufbarer Ware überträgt sich so nahtlos auf die Ware Frau, die zwischen Hausfrau, Marktschreierin und Nutte ihrem Gusto als Konsumkonsumentin nachgehen kann.

Ich, Nataly mit Index( sonst Schlampe), hatte mal einen längeren Streit mit meinem Vater darüber.
ES war mir unmöglich, STADT , so wie sie mir als geistiges Gebilde vorschwebte, nur als Markt zu verstehen. Selbst das Goetheanische Weimar, das von Humboldt inszenierte Berlin, das den Orangensteckrüben abgerungene Berlin, der Pariser Ideenklau wie das Viertel um Saint Sulpice oder Saint Germain de Près oder beim wüst hingerichteten Chevalier de la Barre, schienen mir nicht mehr NUR MARKTPLATZ zu sein. Jeder Leser, jeder Theaterbesucher wird mir sofort widersprechen.
Gerade der Jahrmarkt der Eitelkeiten verlangt Bezahlung, und Hungerkünstler verderben andern die Preise -
richtig sagte ich, aber  die Kulturschöpfung durch ideelle Werte berechnet sich exakt anders als nur im ausgehandelten Kaufpreis – und das macht die Komplexität dieser Märkte aus. Sie müssen immer Angst haben, dass, was heute lächerlich ist, in fünf Jahren ein Verkaufsschlager....

neeneenee, sagte man mir, was lächerlich ist bleibt schon auch anderswo lächerlich 
und Geist auf dem Marktplatz....
Hier kann man nicht von Kuhhandel reden, fuhr ich fort, wohl wissend, verloren zu haben, von Aryanisierung, von Betrug und Rattenfängern, von fiesen Tricks
wohl wissend dass Optionen, Bonds und strategische Anleihen gerade dem wichtig sind, der wissne will, was JETZT ein Buch kostet, was jetzt ein Theaterstück an Rendite einbringt – und danach handelt.






Es fehlt was, werden Sie sagen. Der Schluss, die Moral.
Wenn ein Stück genial, fast genial, kongenial
Geist und Publikum zur Deckung bringt.

Freitag, 20. Juli 2018

Erdbeben.Träume

Die Oper Stuttgart präsentiert eine Uraufführung eines Gesamtkunstwerkes
an dem sich danach, beim Nachhausegehen, beim AufderVerandaSitzen die Meinungen zerstritten.
Man könne, meinte der eine, nicht hineininszenieren, was der Komponist nicht hineingeschrieben habe.
Aber, so war mein stummer Einwand (denn das sagte ich nicht, so vieles anderes sagend), der Komponist habe ja auch garnichts hineingeschrieben, MARCEL BAYER tat es, der Kleists Novelle "Das Erdbeben in Chili" für das Auftragswerk an TOSHIO HOSOKAWA
bearbeitet hatte .
"Der Kopf des Vitus Bering" hat mich ...naja...einmal sehr fasziniert, damals nach dem Mauerfall -
und moderne Opern auch, vorallem wenn sie im Bühnenbild der Anne Viebruck daherkommen,  die ganz opulent drehbühnenmeisterlich
eine romantische Hommage an "Das Eismeer" von Caspar David Friedrich im Betonspeckbrückenbau, der nach oben und unten, der schwankend und groissradial erzitternd
ein Erdbebenstück versinnbildlichte.

Kurz, ein Gesamtkunstwrek (sic)
in dem, so könnte man sagen, der das andere verdeckt hat, Kleist in Bayer, Hosokawa im Chor und der Chor das Bühnenbild.
Eben weil eine Theaterinszenierung die Aufgabe haben könnte,
haben könnte
thematische Bereiche nebeneinander zu legen,
sie so ineinanderzuspannen, zu verkeilen
dass der Druck

wie ein ganz dünner Faden Drahtseil gespannt, zum Zerreissen gespannt

ihre Zivilisationskritik nicht illustriert, sondern ins Schwingen bringt.
Ins Lichtlose.

Die Spannung - Der Peek - das sich Überspitzende Sichübertreffende  ist aber in Stuttgart das
INS PUBLIKUM SPRechen
aber das ist nur eine mögliche Lesart von
LITERATUR und ZIVILISATIONSKRITIK, die wie ein Eisberg ins Publikum ragt,
nur eine von mehreren möglichen

Die Apokalypse, so werden Sie sagen, braucht aber nicht mehrere Szenarien, ihre Wirkung ist EINE


und hier, lieber Leser, haben Sie einen von keiner synästhetischen Vorstellungen angerührt
einen sehr schrillen Ton
schrillen Ton
des Wiederholten sich Wiederholenden


Die Apokalypse ist eine einzige und Betonbrücken, wie Catwalks für mutige Plastikdesigner
gestalten das Überleben nach dem EINZIGEN TOD

Betonbrücken gespannt wie im LORD JIM, der sich aus dem Staub gemacht hatte
haben nun  viel zu erklären, diesen Moment, da die Faser, die Brücke nicht brach






































https://www.oper-stuttgart.de/spielplan/2018-07-23/erdbeben-traeume/